Gartenzwerg Bruno

Wie finden Sie Bruno?

Der einzige echte Bozner Gartenzwerg haust in der Gärtnerei Schullian. Nur falls Sie einen Zwerg mit braunen Augen suchen.

Also Bruno. Martina Schullian und Paul Thuile schauen sich an. Sie sitzen schon eine ganze Weile zusammen. Auf dem Tisch vor ihnen der namenlose Gartenzwerg. Es wird langsam eng. Am Abend soll der neue Zwerg aus Ton vorgestellt werden. Aber kein Name passt. Ein Friedrich fordert blaue Augen geradezu heraus, ein Bobo scheint zu wenig ernsthaft. Da kommt der Gärtner Bruno Dolliana zur Tür herein. Und plötzlich wissen sie es. So muss der erste Bozner Gartenzwerg heißen: Bruno.

Bruno gehört nicht zu Schneewittchen. Eher zu Martina. Er ist weniger knollig als die Märchenzwerge von Walt Disney, außerdem sehr stilbewusst. Über einem Sarner Strickjanker trägt er den blauen Schurz, den alle Südtiroler tragen, wenn sie wirklich Wichtiges vollbringen, die Füße stecken in beschnallten Trachtenschuhen. An der roten Zipfelmütze und dem Weißbart zeigt sich jedoch, dass er eindeutig einer von jenen ist, die die Geister scheiden.

Auf welcher Seite stehen Sie?

„Ich fand Gartenzwerge immer spießig und hässlich“, lacht Martina. Das war vor Bruno. Auch Paul Thuile sagt schmunzelnd: „Meine Beziehung zu Gartenzwergen ist erst mit Bruno gewachsen“. Immerhin hat er als Künstler Bruno erdacht. Da musste das Männlein aus Keramik so werden, dass Paul wenigstens in Erwägung ziehen konnte, es in seinen Garten zu stellen: „Alle Zwerge haben helle Augen. Außer Bruno. Der hat braune“. Na, wenn das kein Grund ist.

Ein Gartenzwerg. Das hat Martina tatsächlich gefehlt in ihrer Gärtnerei. Vor Jahrhunderten schon wachten kleine Sandsteinfiguren über die Parks der Adeligen; Könige umgaben sich sogar mit echten Kleinwüchsigen, denen besondere Kräfte nachgesagt wurden; Sagen und Märchen erzählen von Gnomen, Trollen und Wichteln, die in Bergrinnen Kristalle putzen, Höhlen voller Schätze hüten und nachts heimlich fleißigen Leuten zur Hand gehen. „Dabei wirst du keinen Gartenzwerg finden, der arbeitet“, sagt Paul.

Ein Gartenzwerg für
den Feierabend.

Tatsächlich. Alle Zwerge stehen lächelnd da, Schaufel, Spitzhacke und Schubkarre sind höchstens ein nettes Attribut. Bruno hat sogar die Arme am Rücken verschränkt. „Gartenzwerge verströmen Ruhe. Ich mag gestresst sein, aber im Garten steht jemand, der komplett entspannt ist“, sagt Paul.

Den Adeligen war das früher wohl herzlich egal. Sie waren vom Tagwerk selten müde. Arbeitende Frauen kamen aus entgegengesetzten Gründen kaum in Betracht. Gartenzwerge sind die Skulptur des kleinen Mannes. Die friedlich im Garten verweilenden Zwerge läuten den Feierabend ein. Wer sonst konnte sich am Anblick seines Zwergs erfreuen als der, der nach getaner Arbeit hinter dem Haus sein Pfeifchen anzündet. Bis heute hat sich daran wenig geändert. „Es sind eher die Männer, die Gartenzwerge aufstellen“, erzählt Martina Schullian.

Kitsch ist besser als sein Ruf.

Immer mehr kamen auf den Geschmack. Um 1870 stellten die Firmen Philipp Griebel (Link zu http://www.zwergen-griebel.de) und Heissner (Link zu http://www.heissner.de/gartenzwerge.html) im thüringischen Gräfenroda zum ersten Mal Gartenzwerge am Fließband her. Die Serienproduktion brachte ein neues Wort in Umlauf. Vom Kitsch ist nun die Rede. „Damit meint man alles, was Kopie und nicht das Original ist“, sagt Paul Thuile.

Gartenzwerge gelten bald als besonders kitschig. Sie werden mit den immer gleichen Merkmalen aus allen möglichen Materialien in allen erdenklichen Größen gemacht. Typisch Gartenzwerg halt. Gleichzeitig entsteht ein wissenschaftliches Interesse an den knubbeligen Figuren. Nanologen treten auf den Plan. Sie bestimmen: Der echte Gartenzwerg ist aus Ton, handbemalt, maximal 65 Zentimeter groß, trägt Bart und Zipfelmütze. Schaut also aus wie Bruno. Sogar ein lateinischer Name wird ersonnen: „Nanus hortorum vulgaris“. Damit ist der vulgäre Gartenzwerg heute praktisch Teil des botanischen Linné-Universums. Oder doch eher ein haustierähnliches Wesen? „Wer keinen Hund oder keine Katze hat, erzählt dem Gartenzwerg seine Sorgen. Sie hören immer zu“, sagte der 2012 verstorbene Nanologe Fritz Niemann (Link zu http://www.nanologie.ch/uumlber-fritz-friedmann.html).

Bruno ist kein Revoluzzer.

35 Millionen Gartenzwerge stehen heute weltweit in Gärten herum. Niemann selbst hat die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge (IVZSDG) ins Leben gerufen. In Frankreich wird sogar befürchtet, die Gartenzwerge würden gegen ihren Willen festgehalten. Immer wieder zieht die Front zur Befreiung der Gartenzwerge durchs Land und entführt die Zwerge, um sie deren natürlichem Lebensraum, dem Wald, zuzuführen.

In der Gärtnerei Schullian steht Bruno neben den Orchideen. Nur falls Sie ihn suchen. Er ist natürlich in der besten aller Gartenzwergmanufakturen entworfen, geformt und gebrannt worden: bei Griebel in Gräfenroda. Griebel produzierte das Modell, die Bozner Künstlerin Veronika Thurin gab dem Keramikzwerg den richtigen Anstrich.

Und wenn selbst Philosophen Zwerge mögen...

Stehen Sie ruhig dazu. Sie sind nicht allein. Der Wiener Konrad Paul Liessmann ist Philosoph und dafür bekannt, dass man seinen komplexen Gedanken gut folgen kann. „Ich habe ein echtes Faible für Gartenzwerge entwickelt“, sagt er in einem Interview (Link zu https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2015/04/MZ_2012-04.pdf).

Nicht ganz wohl in seiner Haut fühlt sich höchstens Bruno der Gärtner. „Ist der Bruno da?“, fragen Kundinnen und Kunden ahnungslos. Kurz halten die Angestellten der Gärtnerei Schullian dann die Luft an. Bruno? „Ja, was kostet er?“ Ach, der Zwerg? Nein, der Gärtner? Wer?

Und Sie? Sind Sie reif für einen Gartenzwerg?

  1. Träumen Sie sich gerne in den Feierabend?
  2. Hund oder Katze sind nichts für Sie? Dennoch suchen Sie einen angenehmen Gesprächspartner?
  3. Stehen Sie auf Zipfelmützen oder liebäugeln Sie schon länger mit dem Gedanken, sich einen Sarner aus echter Schafwolle zuzulegen?

Ja, ja und ja? Wir haben das Gefühl, wir müssen Sie mit Bruno bekannt machen*. Dem Zwerg!

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