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Von Mussolini zu Salvini

Von Mussolini zu Salvini

10.10.2019 19:30

Lorenz Gallmetzer
Von Mussolini zu Salvini
Italien als Vorreiter des modernen Nationalpopulismus

Nach 15 Monaten ist das einmalige Experiment einer extrem nationalpopulistischen Regierung im Herzen des traditionellen Europa zerbrochen. Die Konflikte zwischen der rechtsradikalen, nationalistischen „Lega“ Matteo Salvinis und der Antisystem-Bewegung Beppe Grillos „Movimento 5 Stelle“ hatten sich zugespitzt. Nach spektakulärem Erfolg bei den EU-Wahlen und einem Höhenflug in den Umfragen griff Salvini nach der ganzen Macht, wollte Neuwahlen. Eine Fehlkalkulation durch Selbstüberschätzung. Die 5-Sterne-Bewegung entschied sich durch fliegenden Wechsel zu einer Koalition mit der Linken. Salvini beschuldigt Macron, Merkel, Brüssel mit von der Leyen und die internationale Finanz als Drahtzieher eines „Coups“, um Italien zu schwächen. Und er ruft das „Volk auf die Straße“ zu einer Art Marsch auf Rom, um gegen die „gestohlenen demokratischen Wahlen“ anzukämpfen. Das verschärft die seit Monaten andauernde Debatte über die politische Natur der populistischen Kräfte in Italien und ganz Europa. Wie sind sie einzuordnen, zu benennen: totalitär, präfaschistisch, autokratisch, illiberal, souveränistisch oder einfach nur populistisch? Fakt ist: Italien als kränkelnden Sonderfall oder „das schwächste Glied in der Kette“ der EU zu belächeln, wäre fatal – denn ein Reißen dieser Kette hätte schwere Folgen für ganz Europa.

Lorenz Gallmetzer zeigt auf, welche historischen Faktoren die derzeitige Entwicklung möglich machten und welche zweifelhafte „Vorreiterrolle“ Italien stets einnahm. Benito Mussolinis politische Massenbewegung und Diktatur diente als Vorbild für den Faschismus von Portugal bis Jugoslawien und inspirierte Hitler, während der Medienzar und dezidierte Nicht-Politiker Silvio Berlusconi die Blaupause für Donald Trumps Erfolg lieferte. Auch den aktuellen Zuständen in Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Infrastruktur mit besonderem Fokus auf Korruption und die aggressiv-restriktive Migrationspolitik wird Rechnung getragen. Eine messerscharfe Analyse, die deutlich macht, dass die radikale Rechtswende im drittstärksten Staat der Eurozone mehr ist als eine der gewohnten „Krisen all’italiana“.

mit zahlreichen s/w-Fotos
Hardcover
208 Seiten, Format 13,5 x 21,5
Kremayr & Scheriau
22,00 € inkl. MwSt.
ISBN: 978-3-218-01182-2
Erscheinungstermin: September 2019

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